Um Prozesse zu modellieren und zu dokumentieren, wird eine grafische Notation wie die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) oder Business Process Modelling Notation (BPMN) verwendet.

Geschichte

Die ersten grafischen Notationen entstanden bereits 1921. Im Laufe der Jahre tauchten diverse Flowcharts und Diagramme zur Abbildung von Prozessen auf. In 2002 veröffentlichte IBM schließlich das Konzept BPMN. Ziel war es die verschiedenen Darstellungsformen zu vereinheitlichen. Heutzutage findet die Weiterentwicklung BPMN 2.0 Verwendung. Sie ist seit Dezember 2013 auch ISO Standard (ISO/IEC 19510:2013).

BPMN 2.0

Die Business Process Modelling Notation umfasst über 150 verschiedene Symbole. Diese Symbole gehören jeweils verschiedenen Kategorien an und es gibt endlos viele Möglichkeiten einen Prozess darzustellen. Daher ist es essentiell bei der Verwendung von BPMN unternehmensweite Standards für die Modellierung von Prozessen anhand sog. Modellierungskonventionen festzulegen. Dadurch wird sichergestellt, dass jeder Mitarbeiter die Prozessdarstellungen lesen und verstehen kann.

Im Folgenden stellen wir ihnen einmal die wichtigsten Symbole vor. Wem das nicht genug ist der kann sich diesen Camunda Artikel anschauen.

Wichtige Symbole

Es gibt vier übergeordnete Kategorien für alle graphischen BPMN Symbole:

  1. Flow Objects (Sequenzflussobjekte) sind die elementaren Bausteine von BPMN.
  2. Connecting Objects (Verbindungsobjekte) dienen als Verbindung der Flow Objects.
  3. Artefacts (Artefakte) werden benutzt um die Übersicht oder das Verständnis eines Prozesses zu fördern, ändern aber nichts am Ablauf oder der Funktion des Prozesses
  4. Swimlanes bzw. Pools stellen verschiedene Prozessbeteiligte dar.
1. Flow Objects

Aktivitäten:

Task

+

Die häufigste aller Aktivitäten ist der Task. Er beschreibt die verschiedenen Aufgaben innerhalb eines Prozesses und wird mit sogenannten Sequenzflüssen zu einer Kette verbunden.

Subprozess

+

Ein Subprocess (Teilprozess) kann benutzt werden um innerhalb eines Prozesses einen Abschnitt oder Teilprozess zusammenzufassen, um die Übersicht zu bewahren. So können verschiedene Detaillevel erreicht werden falls sehr große und komplexe Prozess dargestellt werden müssen.
Ein ausgeklappter Subprozess ist mit einer durchgezogenen Linie umrandet:

Aufrufaktivität

+

Eine Aufrufaktivität (Call Activity) funktioniert ähnlich wie ein Subprozess und ist optisch ein Task mit breiterer Umrandung. Der Unterschied zu einem Subprozess ist, dass der Prozess nicht direkt lokal definiert ist, sondern durch ein Link aufgerufen wird. Das bedeutet man kann einen Subprozess, der in vielen Prozessen benötigt wird, extern definieren und verlinken. Anschließend kann der Subprozess beliebig geändert werden ohne in einen der anderen Prozesse einzugreifen.

Gateways:

XOR

+

Das XOR (exklusives oder) Gateway kann wie eine entweder oder Entscheidung gesehen werden. Also werden von allen ausgehenden Sequenzflüssen immer genau einer gewählt.

OR

+

Das OR (inklusives oder) Gateway wählt mindestens einen ausgehenden Sequenzfluss, kann aber auch mehrere wählen, je nach Situation.

AND

+

Bei dem AND (und) Gateway werden alle möglichen ausgehenden Sequenzflüsse gleichzeitig ausgeführt.

Event basiert

+

Das Event basierte Gateway hat verschiedenen Ausgängen und jeder dieser Ausgänge ist an ein Event gekoppelt wie z.B. 10 Minuten vergangen oder E-Mail erhalten. Das Event, das als erstes auslöst wird ausgewählt und der Prozess läuft dann über diesen Sequenzfluss weiter.

Komplex

+

Das Komplexe Gateway können beliebige Entscheidungen schriftlich definiert werden. Es wird verwendet, wenn die Entscheidung nicht durch einfachere Gateways dargestellt werden kann, weil sie wie der Name des Gateways schon sagt, komplexer sind.

Events:

Startevent

+

Abb.1

Das Startevent definiert den Anfang des Prozesses und muss daher mindestens einmal in jedem Prozess vorkommen. Es wird durch einen einfachen Kreis dargestellt. Das Startevent kann durch verschiedene Umstände ausgelöst werden. Beispielsweise durch den Eingang einer Nachricht (Abb.1).

Zwischenevent

+

BPMN 2.0 intermediate time 1

Abb.1

BPMN 2.0 intermediate error 1

Abb.2

Ein Zwischenevent ist mitten im Prozess und kann bestimmte Reaktionen auslösen. Es wird mit einer doppelten Randlinie dargestellt und kann viele verschiedene Funktionen erfüllen. Beispielsweise kann es durch einen Einfachen Timer bestimmte Tasks auslösen (Abb.1) oder einen Fehler abfangen (Abb.2).

Endevent

+

BPMN 2.0 Endevent message out 1

Abb.1

BPMN 2.0 Endevent terminate 1

Abb.2

Das Endevent beendet den Prozess und wird durch einen Kreis mit dickem Rand dargestellt. Es muss mindesten ein Endevent geben. Das Endevent kann analog zum Startevent eine Nachricht versenden (Abb.1). Da ein Prozess auch mehrere Endevents haben kann ist es möglich, dass der Prozess noch läuft, wenn bereits ein Ende erreicht wurde. Falls dies nicht gewünscht ist kann dem Prozess ein terminierendes Ende hinzugefügt werden (Abb.2).

2. Connecting Objects

Sequenfluss

+

Der Sequenzfluss markiert innerhalb des Prozesses die Reihenfolge und Verbindungen zwischen den Flow Objects.

Nachrichtenfluss

+

Der Nachrichtenfluss verbindet ebenfalls verschiedene Flow Objects oder Swimlanes (Kategorie 4) miteinander und zeigt damit die Kommunikation zwischen den verschiedenen Prozessteilnehmern an.

Assoziation

+

BPMN 2.0 connection Association undirectional

Abb.1

Die Assoziation verbindet Artefakte mit den Flussobjekten und zeigt damit das Verhältnis der verschiedenen Elemente an. Die Assoziation kann gerichtet oder ungerichtet (Abb.1) sein.

3. Artefacts

Kommentar

+

Ein Kommentar kann an fast alle Elemente geknüpft werden und kann zusätzlich Informationen oder wichtige Hinweise speichern. Außerdem kann damit der Prozess so kommentiert werden, dass er in Zukunft oder für Außenstehende nicht missverständlich ist.

Gruppe

+

Eine Gruppe kann optisch einen Teil des Pozesses umkreisen und erlaubt dadurch eine Unterteilung mit Beschriftung. Die Gruppe sollte nicht mit einem Teilprozess verwechselt werden, dieser sieht ähnlich aus hat aber eine durchgezogenen Linie und nicht nur optische Funktionen.

Datei

+

BPMN 2.0 Data Object Message

Abb.1

Das Datenobjekt kann mithilfe der Assoziation (Connecting Object) mit verschiedenen Flow Objects verbunden werden, um einen Datenfluss darzustellen bzw. Dokumente zuzuordnen. Es ist auch sinnvoll den Status des Dokumentes bei jedem Schritt hinzuzufügen, um Übersicht und Klarheit zu verschaffen welche Abhandlung wo stattfindet. Alternativ kann auch das Nachrichtensymbol für Nachrichten verwendet werden (Abb.1)

Datenspeicher

+

Der Datenspeicher dient als Darstellung für eine Datenbank oder ähnliches. Er wird ebenfalls mit einer Assoziation verbunden und gibt beispielsweise an ob ein Flow Object auf eine Datenbank zugreift.
4. Swimlanes

Pool

+

Um verschiedene Prozessteilnehmer zu Modellieren werden sogenannte Pools verwendet. Typischerweise sind Prozessteilnehmer Organisationen oder Kunden. Wichtig ist, dass die verschiedenen Pools keinen Großen Einfluss aufeinander haben, aber alle am selben Prozess teilhaben. Jeder Pool gehört dabei eindeutig zu einem Prozessteilnehmer. Zwischen den Pools wird der Nachrichtenfluss (Kategorie 2) verwendet, um Kommunikation darzustellen, da die Teilnehmer unabhängig voneinander sind und der Teile des Prozesses nicht definierbar sind, kann ein normaler Sequenzfluss nicht verwendet werden. Beispielsweise können bei einer Bestellungsabwicklung mehrere Nachrichten oder Dateien von einem Kunden oder Lieferanten eintreffen, die in unserem Prozess verarbeitet werden. Dadurch können Prozessteilnehmer eingebunden werden ohne diesen Teil des Prozesses zu kennen.

Swimlanes

+

Eine Swimlanes ist sozusagen eine Bahn im Pool eines Prozessteilnehmers. Die Swimlane unterteilt die Organisation die als Pool dargestellt ist, in kleinere Einheiten.

Beispielprozesse:

Ansprechpartner

BPM&O GmbH hat 4,88 von 5 Sternen | 28 Bewertungen auf ProvenExpert.com